Meine Windelwelt

Stoffwindeln sind für jeden lohnenswert!

Da ich schon vor meiner Schwangerschaft begonnen habe, Müll und Plastik in meinem Alltag zu reduzieren und vermeiden, war die Entscheidung mit Stoff zu wickeln logisch. Ich verbrachte einige Stunden im Netz, doch die richtige Entscheidung für ein System oder Erstausstattung konnte ich nicht treffen. Daher buchte ich einen Infoworkshop bei einer Stoffwindelberaterin. Die hatte neben ihrer Erfahrung die meisten Systeme als Beispiele dabei – zum Anfassen und an der Puppe ausprobieren. Danach wusste ich, was ich wollte (Überhosen + Einlagen-System).

Um möglichst flexibel zu sein und Geld zu sparen, habe ich mir die Erstausstattung bunt zusammengemischt und teilweise selbst genäht. Sie bestand aus:
– ca. 20 Mullwindeln in 70×70 (teilweise welche, die bereits meine Mutter als Spucktücher nutzte!)
– je 3 Prefolds in Baumwolle und Bambus sowie ca. 12 selbstgenähte Tücher aus Moltonstoff und alten Frottee-Handtüchern (zur Einlage faltbar wie Prefolds)
– 5 Überhosen in Newborn-Größe von: Blümchen (Klett), Blueberry Capri (Snaps), Rumparooz (Snaps), Windelzauberland Wizly, Disana Wollüberhose
– zwei Windelsäcke („Pail Liner“)
– ca. 50 selbstgenähte kleine Tücher aus Baumwolle (Frottee, Frottee-Jersey) zum Abwischen
– Wickelauflagen aus alten Handtüchern.

Obwohl die Entscheidung zu Stoffwindeln lange vor der Geburt stand, war mir klar, die ersten Wochen nach der Geburt mit Wegwerfwindeln zu wickeln, einfach um Zeit zu haben, mich in der neuen Situation als (stillende) Mama zu finden. Und diese Entscheidung war gut! So begannen wir nach drei Wochen die ersten Stoffwindeln auszuprobieren – Einlage oder Mullwindel (Pickmanfold oder Dreieck mit Steg) plus Überhose. Wir waren schnell davon überzeugt, sodass wir komplett auf Stoff umgestiegen sind.

Doch es lief nicht alles problemlos:

1. Verschmutzte Überhosen
Seit unser Kleiner kräftigeren Stuhlgang hat, waren nahezu jeden Tag zwei Überhosen verschmutzt. Abhilfe schafften selbstgenähte ein- oder doppellagige Frottee-Einlagen (aus alten Handtüchern) – auf die Mullwindel gelegt und die Mullwindel an den Beinchen einrollen. Damit es gut um die Beinchen passt, bestellte ich mir noch 80er Mullwindeln und vier „Trocken-Fleece-Einlagen“ für nachts. Ab dem dritten Monat hat unser Spatz nicht mehr täglich sondern nur alle paar Tage Stuhlgang bekommen, dafür dann aber umso mehr. Klar, dass da keine Überhose sauber bleibt… Aber es ist auch bei soviel plötzlicher Menge bislang selten etwas ausgelaufen. Wichtigstes „Must-have“: Gallseife!!!

2. Flecken/Waschmittelwahl
Ich wusch zunächst mit meinem Standard-Waschmittel (aus Soda, Kernseife, Natron etc. selbst angerührt) oder einem „Sensitiv“-Mittel aus der Drogerie, aber Muttermilchstuhlflecken blieben drin. Jetzt wasche ich pro Windelwaschgang mit 1 EL Soda, 1 EL Sauerstoffbleiche und etwas Entkalker und die Wäsche wird (fast immer) strahlend weiß. Bei zu vielen Windeln mit Stuhlgang bräuchte es da einfach mehr Sauerstoffbleiche. Da ich da aber lieber spare, hänge ich meine „Flecken“-Windeln einfach in der Sonne auf, so werden sie nämlich auch wieder weiß! Ich wasche alle 2 Tage, manchmal auch erst am dritten Tag, aber dann müffelt der Wäschesack schon…

3. Harte Wäsche
Da wir sehr hartes Wasser haben und ich als Ökomutti nicht auf handelsübliche Weichspüler oder Trockner stehe, versuchte ich es mit klaren Tafelessig, verdünnter Zitronensäure oder gekauften Bio-Wäschespüler. Doch: kein Erfolg. Die Wäsche war bretthart! Abhilfe schuf hier tatsächlich nur der Trockner, der mir zwar mehr Stromverbrauch bringt, aber auch viel Zeit erspart.

Was ich persönlich nicht so gut fand sind: Wollschlupfüberhose (es passt einfach nichts drüber und wenn das Kind nur liegt, nässt sie einfach durch – auch gut eingefettet), Höschenwindeln (sehe kaum Vorteile gegenüber Mullwindeln, dauert extrem lange zum Trocknen), Bambus (für mich saugt Baumwolle nahezu genauso gut und benötigt nicht so viel Zeit zum Trocknen), Klettverschluss an der Überhose (ist mir zu steif, unflexibel und nutzt sich schnell ab).

Meine absoluten Lieblingsteile sind:
– Blueberry Capri Newborn (passt meinem Kleinen auch im 5. Monat noch super)
– xkko Mullwindeln
– Bodyverlängerungen (nicht nur wegen der Tragezeitverlängerung, die Bodies „passen“ einfach besser um die Beine herum).
Mittlerweile ist unser Sohn 5 Monate alt und ich habe zwei Überhosen durch die „One Size“-Größe ersetzt, weil die Blümchen und Rumparooz NB zu klein sind. Wir nutzen also gerade 4 (PUL) Überhosen im Wechsel und kommen damit gut hin.

Für unterwegs habe ich noch eine Wickelunterlage genäht und einen Wetbag mit Trockenfach gekauft. Dann fülle ich eine kleine Thermoflasche mit Wasser und schon geht’s los.

Zuallerletzt noch die Ermutigung für alle, deren Baby gern auf dem Wickeltisch das Geschäft „frei“ erledigt: einfach „teilzeitwindelfrei“ machen und über einem Topf/Schüssel abhalten! Wir machen das seit der 5. Woche regelmäßig wenn die Windel abkommt und haben dadurch schon eine Menge Windeln bzw. Wäsche gespart und hoffen nebenbei auf vorzeitiges trocken werden…

Also: Traut euch, probiert’s aus und findet euren eigenen Weg im Stoffwindelland!

Erfahrungsbericht von Jessica, Bildrechte: Thirsties

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Author: S. K.

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