Mit Stoffwindeln Geld sparen

Im Juli 2015 ist unserer kleine Tochter Emma zur Welt gekommen. Selbstverständlich war für uns, dass wir Pampers kaufen und jeden Tag mit Bergen von Müll umgehen müssen. Es ist praktisch, dachten wir uns. Windel auf, über den Popo gestülpt, Windel zu. Und der Urin-Indikatorstreifen sagt Bescheid, wenn die Windel nass ist.

Doch es kam alles anders. Bereits zehn Wochen vor der Geburt hatten wir unser erstes Treffen im Rahmen eines Geburtsvorbereitungskurses. Die leitende Hebamme sprach Sitzung für Sitzung wichtige Themen rund um die Schwangerschaft sowie die Zeit danach an – u.a. das Thema „Wickeln“. Wie sich herausstellte, waren alle TeilnehmerInnen des Kurses darauf bedacht mit Wegwerfwindeln zu wickeln. Stoffwindeln wurden nie in Betracht gezogen. Vielleicht ist ein Auslöser dafür das Medium „Werbung“ mitsamt unzähliger Pampers-Babypopos. Außerdem sind Mullwindeln mit Überhose doch von gestern, dachte man sich vermutlich.

Nein, das sind sie nicht. Meine Frau und ich waren zwar zunächst nicht sehr angetan von den vielen Falttechniken für Mullwindeln oder von den verschiedenen Systemen, die Stoffwindeln mit sich bringen. Schließlich ist alles etwas anspruchsvoller als die Handhabung eine Wegwerfwindel. Doch ich wollte partout nicht mit dem Gedanken an Stoffwindeln abschließen, also informierte ich mich.

Der erste Anreiz für Stoffwindeln war der finanzielle. Zum einen förderte unsere Gemeinde Stoffwindelsysteme mit einmalig 75,00 Euro. Zum anderen besagen die meisten Statistiken und Berechnungen, dass man mit Stoffwindeln insgesamt weniger als die Hälfte an Kosten hat.

Der zweite Anreiz war die Vermeidung von Unmengen an Windelmüll. Tatsächlich waren wir kurz vor und kurz nach der Geburt noch keine entschlossenen Stoffwindelnutzer. Wir hatten zwar bereits einige Mullwindeln daheim und auch diverse Überhosen mit PUL-Beschichtung, doch wollten wir uns erstmal mit dem Baby beschäftigen und uns nicht mit dem Falten von Mulltüchern befassen. Doch nach zwei Wochen hatten wir die Nase voll – im wahrsten Sinne des Wortes.

Innerhalb von 2 Wochen habe ich mindestens vier Müllsäcke in die Restmülltonne gegeben, die allesamt größtenteils gut gefüllte Pampers beinhalteten. Also zogen wir los und wagten uns endlich an unsere Stoffwindeln heran. Mulltücher wurden zum Dreieck mit Steg gefaltet, um den Babypopo gebunden, festgesteckt und schwups, kam die Überhose darüber.

So einfach geht das? Ja, so einfach… Seitdem haben wir unsere Tochter nie wieder mit einer Wegwerfwindel gewickelt. Wir haben sogar einen Trockner gekauft, welcher ebenfalls mit 75,00 Euro von der Stadt subventioniert wurde (weil A++), denn so trocknen Mullwindeln, Höschenwindeln und Waschlappen besser.

Alles in allem haben wir sicher an die 400,00 Euro Euro für Stoffwindeln und Zubehör ausgegeben, das ist nicht wenig Geld. Aber wir planen sowieso ein zweites Kind zu bekommen, da können wir alles erneut einsetzen. Und 400,00 Euro klingen doch wesentlich besser als 1.200,00 Euro auswärts – denn soviel Geld hätten wir für Wegwerfwindeln ausgegeben, von der Umweltbelastung mal abgesehen.

Man hört heraus, dass meine Beziehung zu Stoffwindeln eher finanzieller und ökologischer Art ist. Meine Frau ist darüber hinaus absolut verliebt in die verschiedenen Muster, Farben und Motive, mit denen man Babys Popo sicher verpackt.

Ob Emma letztendlich viel früher „trocken“ wird als ihre zukünftigen, mit Wegwerfwindeln gewickelten SpielgefährtInnen oder nicht, das steht momentan noch in den Sternen. Fest steht nur: sie hat einen ökologisch, finanziell und optisch herausragenden Hintern – und wir sind stolz, uns dafür entschieden zu haben.

Erfahrungsbericht von Jan